Christiane Widrowski – Jedes Jahr ein Schmetterling – mit Gemälden von Brigitte Struif

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14,50 

Liebe ist schön. Behände, leicht wie Schmetterlinge. Doch reißt sie mitunter Wunden, auf deren Heilung man vergebens hofft. Sie kann uns Narben hinterlassen, die kein Chirurg dieser Welt im Stande wäre zu korrigieren. Und sie kann uns ermutigen. Sie kann uns Leben schenken oder die nötige Willenskraft, ihm zu trotzen.
Christiane Widrowskis Erzählungen sind zart, beweglich und sinnlich. Die Autorin schreibt von Verlockung und Hingabe, von Verbindungen, die Früchte tragen und Verbindungen, die zu vernichten drohen, von Menschen, die einander stützen und Menschen, die einander zerstören.
Untermalt werden die einzelnen Geschichten von blickfangenden Gemälden Brigitte Struifs.

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Artikelnummer: 978-3-946112-28-0 Kategorie:

1 Bewertung für Christiane Widrowski – Jedes Jahr ein Schmetterling – mit Gemälden von Brigitte Struif

  1. 5 von 5

    Matthias Budde

    Versuche über das Unaussprechliche

    In dem Erzählband „Jedes Jahr ein Schmetterling“ von Christiane Widrowski stehen die Geschichten der Autorin und die Bilder von Brigitte Struif in einer ganz besonderen Beziehung. Jeder Geschichte ist ein Bild zugeordnet. Unabhängig voneinander entstanden, ergänzen sich die Arbeiten der Westerwälder Künstlerinnen, spiegeln sich ineinander oder setzen Kontrapunkte. Dass das Zusammenspiel von Bild und Wort so gut gelingt, verdankt sich der klugen Auswahl und Zusammenstellung und wohl auch der spürbaren Seelenverwandtschaft der beiden Frauen in Empfindung und Ausdruck. Was Widrowski erzählt oder verschweigt, findet im Bildraum Echo und Fortsetzung, das Gesagte ebenso wie das Ungesagte.
    Dass das Thema Spiegelung – oft an der Zeitachse – in den Erzählungen eine Rolle spielt, belegt schon ein Blick in das Inhaltsverzeichnis: „Magie des Augenblicks“ ist die erste Geschichte überschrieben, „Augenblick der Magie“ die letzte. Widrowski erlaubt sich hier ein kokettes Vexierspiel mit der Geschlechtsidentität.
    Widrowskis Protagonisten sind oft Reisende. Im Zug, im Flug, gedanklich in der Zeit. Manchmal erinnert der Plot an Aufgaben aus der speziellen Relativitätstheorie: Zwei Züge rasen aufeinander zu. Dann kommt die „Pein, die sich durch die Ritzen der Vergangenheit in die Gegenwart schlängelt“ wie durch ein Wurmloch. Verletzungen, Traumata, Trennungen, Verluste, Kränkungen. Unwägbarkeiten kommen dazu. Entgleisungen, Abstürze, Zufälle, Schicksale. Der liebe Gott würfelt doch. In dieser Relativitätstheorie der Gefühle und Stimmungen ist auch Raumzeit für Vergebung, Selbstannahme und Liebe. „Zurück ins Leben“ – „Feeling Violet“ heißt eine Text-Bild-Paarung des Bandes.
    Der plötzlich Erblindete, das Kind, das die verstorbene Mutter vermisst, wo finden sie den goldenen Faden zurück ins Leben? Im Regenbogen vielleicht, jenem göttlichen Symbol nach der Flut, welches sich auch in Struifs Gemälden findet. In die Wolken gestellt als Symbol der Sinnhaftigkeit aller Existenz, auch der gebrochenen und brüchigen.
    Widrowskis Geschichten weisen über das letzte Satzzeichen hinaus. Dorthin, wo sich die Erkenntnis transzendiert: Ich bin nicht meine Gefühle, meine Beziehungen, mein Körper, mein Schicksal, ich bin nicht mein ich; ich bin einfach. An diesem Punkt ereignet sich die Möglichkeit einer Erlösung. Struifs Gemälde helfen, diesen Fluchtpunkt zu erreichen. In ihrer Abstraktheit vertragen sie die Kopplung mit dem konkreten Text. Dass ist ebenso verwunderlich wie wunderbar spannend. In der Textur eines Bildes kann man die Farben und Formen isländischer Moose und Flechten erkennen, die eine Liebesgeschichte illuminieren, in der die Zeit einmal nicht gestaucht oder gedehnt wird, sondern still steht.
    „Bei dem Versuch, dem Unaussprechlichen Raum zu geben, erschüttert die Realität des geschriebenen Wortes“, erkennt eine Selbstmörderin beim Schreiben des Abschiedsbriefes. Eine andere Frau, die noch im Lebens- und Beziehungskampf steht, entdeckt die emotionale Gewalt anklagenden Schweigens. Auch vor Szenen irrationaler Raserei in flirrender Sommerhitze mit erhobener Streitaxt, schreckt Widrowski nicht zurück. Den Stift benutzt sie dabei wie ein Skalpell. Sie setzt nur einen feinen kleinen Schnitt an der richtigen Stelle. Dann quillt das Verdrängte, das Gärende, das Entzündete, das Eiternde hervor. Gefolgt von gesundem, lebendigem, rotem Blut. „Gefühltes Rot“ heißt das letzte Bild des Bandes. Und genau so fühlt man sich nach betrachtender Lektüre. Blutreinigend. Kathartisch.
    MATTHIAS BUDDE

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